Stämmig = stimmlich ????

Ich stellte provokant eine Frage bei Facebook zum Thema Gewicht und Stimmtechnik und viele Menschen beteiligten sich an der Diskussion.

Ich finde dies ein sehr spannendes Thema, denn ein grosser Teil der Sänger/innen wird mit zunehmenden Alter dick und man darf sich fragen: warum ??? 

Vielleicht sind ja genauso viele bekannte Sänger auch dünn im Alter und es fallen einem nur die auf, die dick werden. 

Ich habe oft mitbekommen, dass der Zuschauer oft Körpergrösse mit Stimmgrösse gleichsetzt.

Sätze wie: "wie , bei dieser kleinen Person so eine grosse Stimme ? " oder  " ist doch klar, die hat doch ne starke Körperresonanz und deswegen auch ne grosse Stimme" lassen deutlich werden, dass viele Laien noch immer meinen Umfang = Umfang.

 

Das ist auf jeden Fall nicht zu belegen und wäre eher auch sehr unlogisch aus der Sicht des Stimmtrainers. 

Es kommt auch nicht, wie so oft behauptet auf ein grosses Atemvolumen (also Luftmenge ) an, um gut singen zu können.

Zu viel Luftdruck behindert die gesunde Tonbildung eher.

sondern

 

a ) auf Resonanzfähigkeit des gesamten Körpers

b) das Dehnungs- und Schliessvermögen der Stimmbänder.

c) die Stützfähigkeit ( Fähigkeit den vorhandenen Atem zu dosieren)

 

 

Für die Dehnung und Schliessung der Stimmbänder ist Fett nicht hilfreich.

Für die Resonanzfähigkeit sogar eher kontraproduktiv.

Warum ? Weil Fett ja nicht nur in der Aussenschicht gebildet wird sondern gerade auch innen.

Die Organe verfetten, der Bauchraum wird enger und stützen können bedeutet somit auch mehr Fettmasse nach unten und aussen drängen zu müssen. der Hohlraum wird nicht grad grösser.

Aber auch im Hals und Nebenhöhlenbereich wird Fett gebildet und belegt die vorhandenen Hohlräume, die eigentlich Resonanzräume für den Ton sein sollen.

Folge: es muss mehr aktiv aufgespannt werden und der Ton könnte gequetschter und enger klingen.

 

Sicher beherrscht das ein Profisänger der lange genug im Geschäft ist, aber Fettleibigkeit hat weder was mit Stimmgewalt zu tun noch ist es zuträglich.

 

Allerdings sorgt Körpergewicht für Erdung und Schwere. Es zieht den Körper mehr zur Erde hin und man fühlt mehr den Bauch und die Mitte im Bauch, was dazu führen kann, dass man tiefer im Körper stützt.

 

Ich habe den Unterschied erstmals in der Schwangerschaft gefühlt. 

Davor schwebte meine Stimme stets irgendwo im Kopfbereich umher und zwischen Kopfregister und Brustregister gab es nicht wirklich eine gute Verbindung.

Die Erdung die der Babybauch mich erfahren liess, liess mich auch insgesamt tiefer atmen. Die Geburten öffneten Bereiche, die ich zuvor nie resonant erfahren hatte.

 

Diese Schwere stellte für mich jenseits der optischen Nachteile doch einen grossen Nutzen für die Gesangstechnik dar. Heute weiss ich wie man Hohlräume öffnen und den Ton im Bauch resonnieren lassen kann.

Allerdings ist mein wachsendes Körperfett nicht von Vorteil dabei.

Helfen tun Tön und Atmen-Übungen, die innere Weite schaffen, sowohl für die Brustresonanz als auch für die Kopfbereiche.

 

Lungenvolumen ist aus meiner Sicht sehr umstritten : Es gibt zahlreiche Musiker ( Sänger und Bläser ) die durch eine starke Lungenblähung später an Emphysemen erkrankten.

Wichtiger, als das Volumen scheint mir die Fähigkeit eines gesunden und aktivierbaren Zwerchfell-Tonus zu sein, der in der Lage ist, den vorhandenen Atmen endlos auszudehnen.

Eine gut gestützte Stimme ist in der Lage, sauber zu schliessen und Kerntöne zu erzeugen, die eine extrem starke Lautstärke bewirken können.

Für den Tonus braucht es nicht Stämmen sondern Inhalieren.

 

Warum werden aber Sänger oft so dick ?

Ich vermute, dass es ganz einfach daran liegt, dass man als Sänger im allgemeinen NACH dem Konzert und NACH der Probe isst, und das ist meistens spät in der Nacht.

Dazu dann auch eher noch nen Weinchen trinkt. 

Diese Kombi, gewürzt mit dem Adrinalin, welches jeden Abend für den wohligen Kick sorgt, den jeder Künstler erfährt, der seine Berufung leben darf, sorgt nicht grad für einen gesunden Lebensstil.

Laut vieler Ernährungsberater soll man nach 18.00 nichts mehr essen, schon gar nicht hochkalorisches.

 

Und Singen und Bauch einziehen hat sich auch noch nie vertragen.

Letztendlich wird es auch einen genetischen Faktor geben.

Und manch ein schlank gebliebener Rocksänger verdankt seine Figur dem Konsum von Heroin und Speed. 

 

Fazit:

Fettleibigkeit unterstützt NICHT die Stimmresonanz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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